Bundesweiter Protest gegen Honorarkürzungen

In vielen Landeshauptstädten demonstrierten beim bundesweiten Protesttag Mitte April Tausende Psychotherapeut:innen und Unterstützer:innen gegen die geplanten Honorar-Kürzungen von 4,5 %. Zu den Protesten aufgerufen hatte unter anderem das Aktionsbündnis Psychotherapie.

Bei dem sehr deutlichen und beeindruckend schnell organisierten Protest wurde eines deutlich: Es geht in dieser jüngsten gesundheitspolitischen Debatte um weit mehr als nur um Honorare. Themen wie Budgetierung und Stundenkontingente, die strukturelle Abwertung weiblich dominierter Berufe im Gesundheitssystem (bspw. Kürzungen der Hebammen, 1.11.2025), das anhaltende Kliniksterben sowie die unzureichende Reform des Psychotherapeutengesetzes standen ebenso im Fokus.

Vor Ort war spürbar, wie viel Wut, Traurigkeit und auch ein Gefühl von Machtlosigkeit vorhanden sind. Es entsteht der Eindruck, dass psychische Gesundheit nach wie vor nicht den Stellenwert erhält, den sie braucht – und das in einer Zeit, die von multiplen Krisen geprägt ist. Angesichts globaler Konflikte, steigender psychischer Belastungen und der Tatsache, dass viele Erwerbsminderungs- und EU-Renten einen psychischen Hintergrund haben, wirkt es umso irritierender, wie sehr sich die gesetzlichen Krankenversicherungen aus der Verantwortung ziehen. Auch auf regierungspolitischer Ebene fehlen bislang stärkende Signale.

Gleichzeitig zeigt sich im eigenen Arbeitsalltag eine Ambivalenz: der Anspruch, Patient:innen angemessen zu versorgen – und das Erleben, diesem Anspruch unter den aktuellen Bedingungen oft nicht gerecht werden zu können. Die eigene Wut und Ohnmacht lassen sich nicht einfach ausblenden. Umso bedeutsamer war es, gemeinsam sichtbar zu werden, in Bewegung zu kommen und ein Zeichen zu setzen.

Auf der offiziellen Seite des Aktionsbündnisses Psychotherapie finden Sie umfassende Informationen zu den aktuellen geplanten Protesten sowie eine Stellungnahme zum Referentenentwurf des Bundesgesundheitsministeriums vom 16. April 2026.

Fotos: Finn Sanders (@f.nnsanders)